Big Mistakes überzeugt: Was Dan Levy diesmal anders macht

Dan Levy kehrt zurück, und diesmal macht er alles anders. Mit Big Mistakes schuf er eine Kriminalkomödie gemeinsam mit Rachel Sennott, die er am Set von The Idol kennenlernte. Wer Schitt's Creek liebte, bekommt hier einen Schöpfer, der bewusst neue Wege geht.
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Vom Schitt's Creek-Schöpfer zum Serienmacher
Nach dem Ende von Schitt's Creek im Jahr 2020 stand Dan Levy vor einer offenen Frage: Was kommt als nächstes? Der Schauspieler, Autor und Produzent nutzte die folgenden Jahre bewusst, um sich neu zu erfinden. Er führte Regie beim Spielfilm Good Grief, moderierte die Kochshow The Big Brunch und spielte eine Nebenrolle in The Idol.
Genau am Set von The Idol lernte Levy die Schauspielerin Rachel Sennott kennen, die er bereits aus dem Independentfilm Shiva Baby kannte und bewunderte. Aus dieser Begegnung entstand die Idee zu Big Mistakes, einer Kriminalkomödie über zwei Geschwister, die unfreiwillig in die organisierte Kriminalität hineingezogen werden.
Levy beschreibt seine Rückkehr ins Serienformat als bewusste Entscheidung: 'Die Idee, einfach Inhalte zu produzieren, bedeutet mir sehr wenig. Ich erschaffe lieber Dinge, die mich wirklich begeistern.' Der Zeitpunkt fühlte sich für ihn stimmig an, weil sich die Erwartungen des Publikums nach Jahren ohne Schitt's Creek-Nachfolger etwas gesetzt hatten.
Kein Komiker, sondern Schauspieler
Levy stellt klar, wie er sich selbst versteht: 'Ich werde oft als Komiker bezeichnet, aber ich habe das Gefühl, diesen Titel nie wirklich verdient zu haben. Ich habe nie Standup gemacht, war nie in einem Autoren-Raum angestellt. Ich sehe mich als Schauspieler, dem es zufällig gelungen ist, mit einer Comedyserie erfolgreich zu sein.'
Nach Schitt's Creek wollte Levy gezielt dramatische Stoffe erkunden. Good Grief war für ihn ein Lernprojekt in einem Genre, das ihm neu war. Diese Erfahrung gab ihm das Selbstvertrauen, mit Big Mistakes wieder in die Komödie zurückzukehren, diesmal aber mit dem Handwerk eines Dramatikers.
Levy sieht das als branchenweites Problem: 'Die Industrie neigt dazu, Menschen in Schubladen zu stecken, und das müssen wir ein wenig ablegen. Tom Hanks begann mit Komödie. Es gibt so viele komödiantisch talentierte Menschen, die großartige dramatische Schauspieler sind.' Er will künftig beides spielen.
Sennott, Ortega und die Morgan-Figur
Die Figur der Morgan, Nickys chaotische Schwester, entstand aus der Zusammenarbeit zwischen Levy und Rachel Sennott. Sennott legte mit ihrer Energie und ihrem generationellen Blick als Millennialin das Fundament der Figur. Levy schätzt an ihr besonders ihre Ausdrucksfreiheit, die er selbst nicht in gleichem Maß besitzt.
Als durch die Produktion von I Love LA eine Neubesetzung nötig wurde, kam Taylor Ortega ins Spiel. Levy beschreibt das als glückliche Fügung: 'Es ist fast so, als hätte Rachel den Tisch gedeckt, und dann kam Taylor und hat aus dem, was wir gemeinsam erarbeitet hatten, vollständig ihr eigenes Ding gemacht.' Die Figur habe durch zwei kluge, komödiantisch starke Frauen gewonnen.
Die Dynamik zwischen Levy und Ortega vor der Kamera trägt die Serie. Eine der Szenen, auf die Levy am stolzesten ist, zeigt die beiden in einer Geiselnahme, mit Actionsequenzen, die er sich als Schauspieler nie erwartet hätte. 'Niemand kommt zu mir mit einem Actionfilm. Aber wenn die Angebote nicht von außen kommen, muss man sie eben von innen schaffen.'
Kriminalität mit echtem Experten
Für die authentische Darstellung der organisierten Kriminalität holte das Autorenteam einen echten Experten ins Boot. Im Team nennen sie ihn 'Mob Dan', ein Fachmann für organisiertes Verbrechen, der sicherstellte, dass jede kriminelle Handlung im Verlauf der Staffel realistisch und plausibel bleibt.
Levy beschreibt die Zusammenarbeit als überraschend bereichernd: Die ausgefallensten Ideen des Schreiberteams hatten laut Mob Dan in der Realität bereits Vorbilder, einschließlich einer Szene mit Stierhoden. Das kriminelle Gerüst der Serie sei daher so konstruiert, wie es in der Wirklichkeit tatsächlich ablaufen würde.
Die Kombination aus erfahrenen Dramaautorinnen und -autoren, die die Serialisierung der Kriminalhandlung strukturierten, und Levys eigener Komödienlinse erwies sich als produktiv. 'Es fand fast sofort seinen Rhythmus', sagt Levy über den Moment, als die Teile zusammenkamen.
Geschwister, Familie und die Wahrheit
Im Zentrum von Big Mistakes steht die Beziehung zwischen Nicky und Morgan, zwei Geschwistern, die jahrelang aufgestauten Groll miteinander tragen. Nicky ist ein Pastor, der seine Homosexualität nicht auslebt, Morgan ist das genaue Gegenteil: impulsiv, regellos, unberechenbar. Levy sieht diese Gegensätzlichkeit als Pendelmetapher: Je weiter man die Figur in eine Richtung zieht, desto mehr Schwung entsteht für künftige Staffeln.
Familiendynamiken faszinieren Levy als Autor besonders, weil sie einen Raum zeigen, in dem Menschen die schlechteste Version ihrer selbst sein dürfen. 'Mit der Familie kann man sich Dinge herausnehmen, die man mit Freunden oder Fremden nie täte', sagt er. Genau diese Rauheit, dieses Ungeschliffene, sei der Stoff, aus dem er am liebsten schreibt.
Das Ziel der ersten Staffel war es, zwei Menschen zu zeigen, die durch äußeren Zwang, nämlich die Kriminalität, gezwungen werden, Wahrheiten auszusprechen, die sie allein nie ausgesprochen hätten. Levy hofft, dass das Publikum am Ende der Staffel sieht, wie Nicky und Morgan füreinander zu besseren Versionen ihrer selbst werden können.
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Artikel geschrieben von:

Anna Schneider analysiert Serien von düsteren Mystery-Stoffen bis zu leichteren Komödien mit Fokus auf Erzählstruktur und Figurenentwicklung.
Alle Artikel von AnnaAnna hat einen weiteren Artikel zur selben Serie verfasst.