Basiert Worst Ex Ever auf einer wahren Geschichte? Wie ging es weiter?

·06.05.2026, 12:47 Uhr·4 Min
Bild: Netflix · TMDB

Liebe und Gewalt schließen sich aus, und trotzdem verbirgt sich das eine hinter dem anderen. Worst Ex Ever zeigt in Staffel 2, wie Täter Zuneigung als Tarnung nutzten: von einem Mörder mit Superheldennamen bis zum Kidnapping einer Frau. Dass alle Fälle auf Polizeiakten und Zeugenaussagen basieren, macht den Widerspruch noch schwerer zu ertragen.

Artikel-Inhalt

Was wirklich hinter den Fällen steckt

Staffel 2 von Worst Ex Ever präsentiert vier eigenständige Fälle, die sich über einen Zeitraum von 2006 bis 2018 erstrecken. Jede Episode rekonstruiert chronologisch, wie eine zunächst normale Beziehung in Gewalt, Betrug oder sogar Mord umschlug. Die Macher setzen dabei auf animierte Nachstellungen, Bodycam-Aufnahmen der Polizei sowie Originalinterviews mit Überlebenden und Ermittlern.

Im ersten Fall lernte Kelly Matthews 2018 einen Mann kennen, der sich ihr gegenüber als Steven vorstellte. Tatsächlich hieß er Wade Wilson, ein Name, den viele aus dem Marvel-Universum kennen, denn er ist die Vorlage für die Figur Deadpool. Wade Wilson hatte eine lange Vorgeschichte mit kriminellen Vergehen, die Kelly zunächst nicht kannte. Sein Verhalten eskalierte: Er verpfändete ihren Laptop, verführte eine enge Freundin von ihr und griff sie körperlich an, als sie ihn zu einer Entzugsklinik brachte.

Der Fall von Kristen Wilson aus Knoxville, Tennessee, beginnt 2017 mit einem Match auf einer Dating-App. Geoffrey Paschel präsentierte sich als charmanter Partner, verschwieg aber eine Vorgeschichte häuslicher Gewalt gegenüber früheren Partnerinnen. Als eine Nachbarin nach einem Hilferuf von Kristen die Polizei rief, wurde Geoffrey verhaftet. Während er auf seinen Prozess wartete, wurde er in der Reality-Serie 90 Day Fiancé: Before the 90 Days gecastet, wo er gemeinsam mit seiner russischen Verlobten Varya Malina auftrat.

Die Personen hinter den Episoden

Episode drei dreht sich um Katie Long aus Largo, Florida, die 2016 eine Fernbeziehung mit Joyce Pelzer aus Atlanta begann. Joyce hatte sich kurz zuvor von ihrer Frau Rosalyn Lewis getrennt. Die Beziehung entwickelte sich zunächst positiv, bis Joyce beiläufig erwähnte, dass eine frühere Partnerin namens Shawndell McLeod seit 2011 vermisst werde. Katie begann zu recherchieren und stellte fest, dass Joyce in diesem Vermisstenfall als Person von Interesse geführt wurde.

Im vierten Fall steht Karen Kummerer im Mittelpunkt. Nach 17 Jahren Ehe frisch geschieden, lernte sie 2006 Scott Freeman kennen, der wenige Monate nach dem Kennenlernen in ihr Haus in Daytona, Florida, einzog. Scott begann, Karen systematisch von ihrem sozialen Umfeld zu isolieren und übte verbale sowie körperliche Gewalt aus. Als Karen eine einstweilige Verfügung gegen ihn erwirkte und ihn aus dem Haus wies, eskalierte die Situation dramatisch.

Alle Überlebenden, die in der Serie auftreten, haben sich bewusst dazu entschieden, ihre Geschichte öffentlich zu teilen. Die Dokumentation gibt ihnen die erzählerische Kontrolle zurück, indem ihre Perspektive die Handlung strukturiert. Regisseurin Cynthia Childs, die bereits die verwandte Netflix-Doku Worst Roommate Ever verantwortet hatte, führte auch in Staffel 2 Regie. Produziert wurde die Serie von Jason Blum als ausführendem Produzenten.

Wo die Beteiligten heute stehen

Wade Wilson, der echte Täter aus Episode eins, wurde nach einer polizeilichen Fahndung gefasst. Sein Fall endete tödlich für eine Frau, die er in einer Bar kennengelernt hatte. Nach seiner Verhaftung wurde er strafrechtlich verfolgt. Sein ungewöhnlicher Name, der identisch mit dem bürgerlichen Namen des Marvel-Antihelden Deadpool ist, sorgte damals für breite Medienaufmerksamkeit in den USA.

Geoffrey Paschel aus Episode zwei wurde nach seiner Verhaftung tatsächlich in der Reality-Serie 90 Day Fiancé: Before the 90 Days gezeigt, bevor sein Fall vollständig juristisch aufgearbeitet war. Dieser Umstand sorgte für erhebliche öffentliche Diskussion darüber, welche Sorgfaltspflicht Produktionsfirmen bei der Auswahl von Kandidaten tragen. Sein Verfahren verlief nicht im Verborgenen, da seine TV-Präsenz die Aufmerksamkeit der Staatsanwaltschaft zusätzlich auf sich zog.

Im Fall von Joyce Pelzer führte Katies Entscheidung, die Polizei zu informieren, zu einem Durchbruch in einem seit 2011 ungeklärten Vermisstenfall. Die Serie beschreibt diesen Moment als entscheidende Wende, die nach Jahren des Stillstands neue Ermittlungsansätze eröffnete. Über den aktuellen Verbleib und Status aller beteiligten Personen macht die Serie teils keine abschließenden Angaben, was dem dokumentarischen Charakter der laufenden oder abgeschlossenen Verfahren geschuldet ist.

Was die Serie weglässt oder verändert

Worst Ex Ever arbeitet mit animierten Nachstellungen, weil für viele Szenen kein Originalmaterial existiert. Diese gestalterische Entscheidung ist im True-Crime-Genre üblich, kann aber dazu führen, dass Abläufe dramatischer oder klarer wirken, als sie in der Realität erlebt wurden. Die Serie betont ausdrücklich, dass alle Ereignisse auf realen Berichten und Ermittlungsakten beruhen.

Einige Details, etwa genaue Dialoge oder die innere Gefühlswelt der Täter, lassen sich naturgemäß nicht vollständig rekonstruieren. Die Produktion stützt sich deshalb stark auf die Erinnerungen der Überlebenden, die subjektiv geprägt sind. Wo Gerichtsunterlagen oder Polizeiprotokolle vorliegen, werden diese als Belege eingesetzt, um die Aussagen zu stützen.

Die Serie verzichtet weitgehend darauf, die Täter durch eigene Interviews zu Wort kommen zu lassen. Diese Entscheidung ist programmatisch: Worst Ex Ever positioniert sich bewusst als Plattform für die Überlebenden, nicht als ausgewogene Darstellung aller Seiten. Kritiker könnten anmerken, dass dadurch ein vollständiges Bild der Ereignisse ausbleibt. Gleichzeitig ist dieser Ansatz eine redaktionelle Haltung, die in der Dokumentation offen kommuniziert wird.

Mehr zu „Worst Ex Ever"

Quelle: NetflixZuletzt aktualisiert: 06.05.2026, 12:47 Uhr

Artikel geschrieben von:

Nina Wolf
Autor
Nina Wolf
Science FictionFantasy-SerienMystery

Nina Wolf ist Redakteurin bei serien.de mit Fokus auf Sci-Fi, Fantasy und Mystery-Formate und langjähriger Streaming-Erfahrung.

Alle Artikel von Nina

Mehr aktuelle Serien-News

Bleib auf dem Laufenden — alle frischen Meldungen, Trailer und Staffel-Starts auf einen Blick.

Wo wird die Serie gestreamt?

Streaming-Verfügbarkeit für Deutschland • Daten von TMDB