Adolescence gewinnt alles: So dominant war keine Serie in dieser Saison
Fünf Preise für eine erste Rolle: Das hat noch kein Schauspieler je erreicht. Owen Cooper, 16 Jahre alt, holte mit dem BAFTA den letzten großen TV-Award für seine Leistung in der Netflix-Serie Adolescence. Dass ausgerechnet ein Teenager ohne Ausbildung diesen Rekord aufstellt, war schlicht nicht vorstellbar.
Artikel-Inhalt
Der jüngste Preisträger aller Zeiten
Owen Cooper war 13 Jahre alt, als er für die Rolle des Jamie Miller gecastet wurde, ohne auch nur einen einzigen professionellen Auftritt vorweisen zu können. Heute, mit 16 Jahren, hält er sämtliche wichtigen Fernsehpreise in Händen: den Primetime Emmy, den Golden Globe, den Screen Actors Guild Award, den Critics Choice Award und nun den BAFTA TV Award als bester Nebendarsteller.
Damit ist Cooper der jüngste Schauspieler, der die vier großen amerikanischen Fernsehpreise für eine einzelne Darstellung gewonnen hat. Der BAFTA-Triumph rundet diese historische Sammlung nun ab und setzt einen Schlusspunkt unter eine Preissaison, die in dieser Form noch kein Nachwuchstalent erlebt hat.
In Adolescence spielt Cooper Jamie Miller, einen 13-jährigen Jungen, der beschuldigt wird, eine Mitschülerin ermordet zu haben. Die Rolle verlangt ein enormes emotionales Spektrum, das Cooper in drei der vier Episoden entfaltet.
Eine Folge, eine Einstellung, eine Stunde
Besonders Coopers zentrale Episode gilt als technisches und schauspielerisches Meisterwerk: Sie wurde in einer einzigen, ununterbrochenen Einstellung von einer Stunde Länge gedreht. Cooper spielt darin gegenüber Erin Doherty, die die Klinische Psychologin Briony Ariston verkörpert, ein intensives Verhörgespräch.
Diese Episode war zudem für den BAFTA-Preis für den unvergesslichsten Moment nominiert, was die außergewöhnliche Wirkung dieser Szene auf das Publikum und die Fachwelt unterstreicht. Dass eine einzige Kamerafahrt ohne Schnitt eine ganze Stunde trägt, ist allein handwerklich eine Seltenheit.
Die Produktion unter der Regie von Stephen Graham und mit dem Drehbuch von Jack Thorne setzt damit Maßstäbe, die weit über den Inhalt der Serie hinausgehen.
Coopers bewegende Dankesrede
Bei der Verleihung zeigte sich Cooper sichtlich überwältigt. 'Wow, es ist schwer, das muss man fairerweise sagen', sagte er beim Entgegennehmen der Trophäe. Er erinnerte daran, dass er vor genau einem Jahr noch selbst einen Preis überreicht hatte und nun einen entgegennehmen darf.
Cooper bedankte sich bei der BAFTA und bei der Familie rund um Adolescence: 'Danke an die Adolescence-Familie, und sie sind mittlerweile wirklich Familie.' Seine Worte wirkten dabei weit weniger wie eine einstudierte Rede als wie ein echter Moment der Ungläubigkeit.
Den emotionalen Abschluss seiner Dankesrede bildete ein Zitat von John Lennon sowie eine persönliche Aufzählung: 'Erstens eine Besessenheit. Zweitens ein Traum. Und drittens die Beatles.' Die ungewöhnliche Kombination aus Bescheidenheit und Poesie hinterließ im Saal bleibenden Eindruck.
Christine Tremarco ebenfalls ausgezeichnet
Der Abend gehörte nicht nur Owen Cooper. Christine Tremarco, die in Adolescence Coopers Mutter spielt, gewann ebenfalls den BAFTA TV Award, in ihrer Kategorie als beste Nebendarstellerin. Damit räumte die Serie gleich in beiden Nebendarsteller-Kategorien ab.
Tremarco war bislang vor allem durch britische Fernsehproduktionen bekannt. Ihre Darstellung einer Mutter, die mit der Verhaftung ihres Sohnes konfrontiert wird, wurde von Kritikern als eine der stärksten Leistungen der gesamten Staffel bezeichnet.
Neben Cooper und Tremarco waren auch weitere Darsteller wie Paddy Considine, Ashley Walters, Fehinti Balogun, Joshua McGuire und Rafael Mathé an der Produktion beteiligt, die insgesamt das Ensemble der Serie prägen.
Adolescence auf Netflix: Ein globales Phänomen
Adolescence ist seit seinem Start auf Netflix ein außergewöhnlicher Erfolg. Die vierteilige Miniserie, entwickelt von Jack Thorne und Stephen Graham, ist in Deutschland bei Netflix sowie Netflix Standard mit Werbung verfügbar.
Die Serie kreist um die Frage, wie ein 13-jähriger Junge zum Verdächtigen in einem Mordfall wird, und beleuchtet dabei gesellschaftliche Themen wie Jugendgewalt, soziale Medien und familiären Druck. Das Format der Miniserie, mit je einer Episode aus einer anderen Perspektive, wurde von Kritikern weltweit gelobt.
Mit dem vollständigen Preisset, das Cooper nun hält, dürfte Adolescence auch langfristig als eine der bedeutendsten Serienproduktionen der 2020er-Jahre in Erinnerung bleiben.
Mehr zu „Adolescence"

Adolescence triumphiert bei den BAFTAs: Darum zählt das
Kein großes Budget, keine Stars: Adolescence schlägt trotzdem alle. Philip Barantini gewann den Regie-Preis im Fiktionsbereich, das Tonteam folgte in seiner Kategorie nach. Das zeigt, dass handwerkliche Präzision in der Serienbranche wieder mehr zählt als Marketing.

Peabody-Triumph: Warum Adolescence jetzt alle überrascht
Ein Peabody-Award verändert, wie die Branche Adolescence bewertet. Die britische Mini-Serie auf Netflix gehört nun zu den 34 ausgezeichneten Produktionen der Peabody Awards 2026. Für Zuschauer bedeutet das: Diese Serie ist kein Geheimtipp mehr, sondern offizieller Maßstab für zeitgenössisches Serienerzählen.
Artikel geschrieben von:

Clara Hoffmann ist Serien-Redakteurin mit besonderem Fokus auf emotionale Drama-Serien und detailreiche Period Pieces.
Alle Artikel von Clara