600-Millionen-Betrug, jetzt neue Klage: Hollywood Hustler: Glitzer, Glamour, Gaunerei im Kreuzfeuer

Wer die Serie als ungeschminkte Wahrheit sah, muss das jetzt überdenken. Produzent Julio Hallivis bezeichnet seine Darstellung in 'Hollywood Hustler' als bewusste Verleumdung und klagt gegen Amazon Studios und Vice Studios. Zuschauer stehen vor der unbequemen Erkenntnis, dass die Dokuserie möglicherweise einen Unschuldigen opferte.
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Klage gegen Amazon und Vice Studios
Julio Hallivis, Filmproduzent und ehemaliger Geschäftspartner von Zach Horwitz, hat Klage gegen Amazon Studios, Vice Studios und Regisseurin Rebecca Chaiklin eingereicht. Er wirft den Beklagten vor, ihn in der Dokuserie 'Hollywood Hustler: Glitzer, Glamour, Gaunerei' wiederholt als Mitwisser oder Komplizen des Ponzi-Betrugs darzustellen, obwohl er nach eigener Aussage nichts von den kriminellen Machenschaften wusste.
Die dreiteilige Produktion, präsentiert von Amazon MGM Studios und hergestellt von Library Films, Vice Studios sowie Article 19 Films, startete im Oktober 2024 auf Prime Video. Hallivis hatte eine Interviewanfrage der Filmemacher abgelehnt. In der Klageschrift heißt es, die Macher hätten die Serie bewusst sensationalisiert, um die Zuschauerzahlen zu steigern, auf Kosten von Hallivis' Reputation.
Hallivis wird vor Gericht von Anwalt Alexander Rufus-Isaacs vertreten, der bereits mehrere Verleumdungsklagen gegen Netflix eingereicht hat. Da Hallivis als Privatperson gilt, liegt die Beweishürde für eine erfolgreiche Verleumdungsklage niedriger als bei öffentlichen Personen.
Horwitz und der 600-Millionen-Betrug
Zach Horwitz verbüßt derzeit eine 20-jährige Haftstrafe. Bundesankläger beschrieben sein Vergehen als Ponzi-Schema mit einem Schadensvolumen von rund 600 Millionen Euro. Horwitz hatte gestanden, gefälschte Verträge mit Netflix und HBO vorgelegt zu haben, um etwa 250 Investoren zu täuschen.
Hallivis war über die gemeinsame Produktionsfirma 1inMM Productions mit Horwitz verbunden, die einige Kinofilme produzierte. Laut Klageschrift war Hallivis jedoch nicht in die Finanzierungsstrukturen eingebunden und erfuhr von dem Betrug erst nach der Verhaftung seines Partners.
Das FBI und die US-Börsenaufsichtsbehörde befragten Hallivis genau einmal. Laut Klage wurde er dabei zu keinem Zeitpunkt darüber informiert, dass er selbst unter Verdacht stehe.
Was die Doku konkret behauptet
Die Dokumentation zeigt Fotos von Horwitz und Hallivis gemeinsam und enthält Kommentare, in denen Hallivis als 'angespannt' und 'nervös' beschrieben wird. Ein Interviewpartner äußert, Hallivis habe 'paranoid' gewirkt und scheinbar geahnt, dass etwas Schlimmes bevorstehe.
Zivilanwalt Alex Loftus, der einige der geschädigten Investoren vertritt, wird in der Serie mit den Worten zitiert: 'Horwitz konnte das nicht alleine tun. Ich glaube, er schützt jemanden aus seinem engsten Umfeld.' In einer weiteren Aussage formulierte Loftus: 'Wenn Julio tagelang und nächtelang über Monate hinweg mit Zach Horwitz zusammen war, sehe ich nicht, wie er nicht gewusst haben kann, dass das eine Fantasie war.'
Loftus räumte jedoch auch ein, keine belastbaren Beweise gegen Hallivis zu besitzen, fügte aber hinzu: 'Wir haben einige Dinge, bei denen man Schlüsse ziehen könnte, die ziemlich schlecht aussehen.' Die Klageschrift wertet diese Aussagen als implizite Schuldzuweisung ohne faktische Grundlage.
Persönliche Folgen für Hallivis
Die Klage schildert weitreichende persönliche Konsequenzen. Frühere Geschäftspartner hätten den Kontakt zu Hallivis abgebrochen. Besonders schmerzhaft: Sein Bruder Diego Hallivis habe ihm mitgeteilt, dass eine weitere Zusammenarbeit aufgrund des Reputationsschadens nicht möglich sei.
Die Klageschrift fasst zusammen, dass Hallivis durch den 'Wunsch der Beklagten, die Serie zu sensationalisieren und die Zuschauerzahlen zu steigern', beruflich und persönlich schwer geschädigt worden sei. Konkret nennt sie 'großes persönliches Leid und erhebliche Einkommensverluste'.
Die letzte Episode der Dokuserie legt laut Klage außerdem nahe, dass Julio und Diego Hallivis zu Informanten der Ermittlungsbehörden wurden, um ihre eigene strafrechtliche Verantwortung zu minimieren. Diese Darstellung sei falsch und verleumderisch, heißt es in dem Schriftsatz.
Rechtliche Strategie und Ausblick
Anwalt Alexander Rufus-Isaacs, der Hallivis vertritt, hat in der Vergangenheit mehrere ähnliche Verfahren gegen Streaming-Dienste geführt. Sein Mandant argumentiert, als Privatperson einen erleichterten Zugang zur Verleumdungsklage zu haben, da für ihn nicht nachgewiesen werden muss, dass die Beklagten in böser Absicht handelten.
Amazon Studios, Vice Studios und Regisseurin Rebecca Chaiklin haben sich bislang nicht öffentlich zu der Klage geäußert. Ob und wann ein Verfahren eröffnet wird, ist noch offen. Der Fall wirft grundsätzliche Fragen darüber auf, wie weit Dokumentarfilme bei der Darstellung von Personen gehen dürfen, die nie angeklagt wurden.
Für die Streaming-Branche ist der Fall brisant: Immer häufiger sehen sich Plattformen wie Prime Video mit Klagen von Personen konfrontiert, die sich durch True-Crime-Produktionen in ihrer Persönlichkeit verletzt fühlen, ohne je strafrechtlich verurteilt worden zu sein.
Artikel geschrieben von:

Clara Hoffmann ist Serien-Redakteurin mit besonderem Fokus auf emotionale Drama-Serien und detailreiche Period Pieces.
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