500 Jahre Vorgeschichte: Another Journey to the West erzählt Sun Wukong neu

Kein Regisseur, kein Autor, kein Schauspieler: Trotzdem entsteht eine Großproduktion. Utopai und Huace verfilmen den chinesischen Literaturklassiker 'Journey to the West' ausschließlich mit KI-Technologie. Das Projekt testet, wie weit Franchise-Ambitionen ohne menschliche Kreative tragen.
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Sun Wukong bekommt eine Ursprungsgeschichte
Die Serie trägt den Titel 'Journey to the West: The Lost Five Hundred Years' und erzählt die bislang unbekannte Vorgeschichte des Affenkönigs Sun Wukong. Im Mittelpunkt steht, wie der eingesperrte Sun Wukong zum Beschützer des Mönchs Jin Chanzi wird, lange bevor die eigentliche Reise nach Westen beginnt. Die literarische Vorlage stammt aus dem Jahr 1592 und gilt als eines der bedeutendsten Werke der chinesischen Literatur.
Ob Regisseure, Autoren oder Sprecher an dem Projekt beteiligt sein werden, ließ Utopai Studios bislang offen. Das Unternehmen hat noch keine Angaben zu konkreten kreativen Mitarbeitern gemacht. Die gesamte inhaltliche und visuelle Produktion soll über die KI-Plattform PAI laufen.
Utopai-Chefin Cecilia Shen erklärte in einem Statement: 'Journey to the West ist nicht nur eines der beliebtesten kulturellen Schätze Chinas, es ist eines der großen mythologischen Universen der Weltunterhaltung.' Shen sieht in der Zusammenarbeit mit Huace die Möglichkeit, eine völlig neue Interpretation dieser Geschichte zu entwickeln, beginnend mit dem emotionalen Ursprung von Sun Wukong.
Huace und Utopai planen globales Franchise
Huace produziert die Serie mithilfe von Utopais KI-Plattform PAI, während Utopai alle Vertriebsrechte außerhalb Chinas behält. Beide Unternehmen betrachten das Projekt als Ausgangspunkt für ein umfassendes Franchise, das Streaming, klassisches Fernsehen und Kinoauswertungen umfassen soll.
Huace-Chef Binxing Fu betonte, dass die Serie das Erbe des Stoffes bewahren soll: 'Journey to the West ist eine Geschichte, mit der chinesische Zuschauer seit Generationen aufgewachsen sind. Sie verdient es, mit Größe, Emotion und Vorstellungskraft neu eingeführt zu werden.' Fu sieht in der vollständig KI-generierten Animationsform einen Weg, die Mythologie weltweit zugänglich zu machen, ohne ihre kulturelle Tiefe zu opfern.
Die Partnerschaft zwischen Utopai und Huace ist die erste gemeinsame Produktion der beiden Unternehmen. Sie markiert gleichzeitig einen strategischen Schritt von Utopai, bekannte geistige Eigentumsrechte für internationale Märkte zu erschließen.
PAI 2.0 treibt die Produktion an
Wenige Wochen vor der Ankündigung der Serie stellte Utopai die zweite Version seiner KI-Plattform PAI vor. Laut Utopais Chefwissenschaftler Zijian He kann PAI 2.0 den Produktionsprozess verbessern, indem es 'narrativen Kontext beibehält, Konsistenz über längere Sequenzen hinweg sichert und Kreativen eine feinere Kontrolle über den kreativen Prozess gibt'.
He formulierte das Ziel von PAI 2.0 ambitioniert: 'Unser Ziel ist es, einen Moment für die Medienproduktion auszulösen, der vergleichbar ist mit dem Durchbruch von Claude Code in der Softwareentwicklung.' Damit positioniert Utopai seine Plattform als potenziell transformatives Werkzeug für die gesamte Unterhaltungsbranche.
Die erste Version von PAI hat bereits Aufmerksamkeit erregt. NBA-Profi James Harden produzierte im April einen animierten Kurzfilm mit der ersten PAI-Version, der sich um seinen berühmten Bart drehte. Das zeigt, dass die Plattform bereits vor dem großen Franchise-Projekt praktisch eingesetzt wurde.
NBA-Stars investieren in Utopai
Utopai hat prominente Unterstützung aus dem Sport gewonnen. Basketballstar Carmelo Anthony investierte über seine Produktionsfirma Creative 7 in das Unternehmen und ist als strategischer Partner an Bord gegangen. Auch James Harden ist mit dem Unternehmen verbunden, wenn auch in anderer Form als Investor.
Die Beteiligung von Anthony und Harden verleiht Utopai nicht nur finanzielle Rückendeckung, sondern auch öffentliche Sichtbarkeit in einem Markt, in dem KI-generierte Inhalte noch immer auf Skepsis stoßen. Für ein Unternehmen, das vollständig ohne menschliche Kreativschaffende produzieren will, ist diese Art von Partnerschaft ein klares Signal an die Branche.
Das Interesse von Sportlern an KI-Produktionsfirmen spiegelt einen breiteren Trend wider: Prominente suchen zunehmend nach Möglichkeiten, ihre Marken in der Unterhaltungsindustrie zu verankern, und KI-Plattformen bieten dafür neue Einstiegspunkte.
Starttermin und Plattform offen
Ein konkretes Startdatum für 'Journey to the West: The Lost Five Hundred Years' steht noch aus. Utopai und Huace haben bislang nur die Entwicklung der Serie bekanntgegeben, ohne Angaben zu Zeitplan oder Episodenanzahl zu machen.
Für das deutsche Publikum kämen Crunchyroll oder der Crunchyroll Amazon Channel als mögliche Anlaufstellen in Frage, da Utopai die internationalen Vertriebsrechte hält und die Serie explizit für globale Streaming-Plattformen konzipiert ist. Offizielle Bestätigungen für DACH-Lizenzen stehen jedoch noch aus.
Das Projekt wird weiter beobachtet werden, nicht zuletzt weil es als Testfall für die Frage gilt, ob vollständig KI-generierte Langformatserien beim internationalen Publikum ankommen können. Die Wahl eines der bekanntesten mythologischen Stoffe der Welt als erstes großes Franchise-Projekt ist dabei eine bewusste Entscheidung.
Artikel geschrieben von:

Sophie Hartmann analysiert seit mehreren Jahren Serienwelten mit Fokus auf Action, Sci-Fi, Fantasy und Mystery.
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